Psychische Belastung

Bei einer Neurodermitis-Erkrankung spielt die Psyche eine gewichtige Rolle und das gleich im doppelten Sinn. Zum einen kann die Psyche ein auslösender Faktor sein und zum anderen kann ein Neurodermitis-Schub das seelische Wohlbefinden empfindlich negativ beeinflussen.
Daher ist das psychische Wohlbefinden immens wichtig um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Psychische Belastungen als Auslöser

PsychischeStress und seelische Belastungen sind oftmals Auslöser für Neurodermitis. Die Haut spiegelt oftmals das seelische Wohlbefinden des Menschen wider. Leidet die Seele, so leidet oftmals auch die Haut. Die medikamentöse Behandlung lindert in erster Linie die Symptome der Krankheit. Weiterhin gilt es auch die psychischen Auslöser weitestgehend aus dem Leben des Betroffenen zu eliminieren.  Allerdings muss Neurodermitis sich in seinen Grundzügen bereits im Körper befinden, bevor seelischer Stress die Symptome hervortreten lassen kann.

Psychische Belastungen durch Neurodermitis

Die sichtbaren Hautveränderungen, vor allem im Zusammenhang mit dem quälenden Juckreiz bedeuten oftmals massive psychische Belastungen. Erholsamer Schlaf ist für den Betroffenen kaum mehr möglich und oftmals schämt sich der Erkrankte für die unschönen Hautveränderungen, insbesondere, wenn sich diese an sichtbaren Stellen befinden. Diese zusätzlichen Belastungen wirken sich negativ auf den Krankheitsverlauf aus und der Patient befindet sich in einem Teufelskreis. Diesen gilt es zu durchbrechen um die Lebensqualität so weit wie möglich wieder herzustellen.

Psychotherapeutische Hilfen

Die Beschaffenheit der Haut eines Menschen gilt als Indikator über seinen gesundheitlichen Zustand sowohl körperlich als vor allem auch psychisch.  Die Haut wird nicht umsonst auch als „Spiegel der Seele“ bezeichnet. Die Beeinflussung des Krankheitsverlaufs von Neurodermitis findet maßgeblich auch durch psychische Bedingungen statt. Einen der Haupteinflussnehmer heißt Stress.
Auf Stress reagieren Betroffene oftmals besonders sensibel mit starkem Juckreiz und einer Ausweitung der Ekzeme.

Die Ursachen für Stress können vielfältig sein wie etwa Beziehungen oder die Arbeitssituation. Viele reagieren aber bereits auf kleine Veränderungen im Alltag. Dies bietet die Möglichkeit selber aktiv am Wohlbefinden zu feilen.

Das Stressmanagement ermöglicht den Stresslevel positiv wie auch negativ zu beeinflussen. Durch die Anwendung von autogenem Training, progressiver Muskelrelaxation oder verschiedenen Entspannungstechniken kann der Stresspegel aktiv gesenkt werden. Des Weiteren sollten belastende Lebensbereiche „aufgeräumt“ werden. Eine gründliche Analyse der einzelnen Bereiche lässt den Betroffenen erkennen wie die Zusammenhänge von Situation, Gefühl, Symptomreaktion, Veränderungen der Situation etc. zusammenhängen. Wer diesen Zusammenhang verstanden hat kann diesen positiv beeinflussen.

Neurodermitis bei Kindern

In früheren Zeiten kam man bei einer Neurodermitis-Erkrankung bei einem Kind schnell zu dem Schluss, dass das Kind im emotionalen und gefühlsmäßigen Bereich leidet. Häufig kam man schnell zu dem Ergebnis, dass eine gestörte Beziehung zur Mutter vorläge, die eine atopische Hautreaktion hervorrufe. Heute ist der Wissensstand so weit, dass man diese „Problematik“ nicht alleine für Neurodermitis verantwortlich machen kann. So ist bekannt, dass für Kinder die Gefahr einer Erkrankung 45% höher liegt, wenn bereits beide Elternteile von Neurodermitis betroffen sind.
Eine Beziehungsstörung zur Mutter oder einer anderen nahestehenden Person kann eine Folge durch die Erkrankung sein. Ein erkranktes Kind benötigt mehr und intensivere Aufmerksamkeit und Berührungen wie etwa Umarmungen können zum Problem werden. Diese Situation zerrt an den Kräften der Eltern und Gefühle wie Ohnmacht, Aggressionen und Hoffnungslosigkeit machen sich breit und müssen bewältigt werden.  Wo solche Bewältigung nicht gelingt leidet die Beziehung zwischen Eltern und Kind.

Spannungsveränderungen

Bereits seit langer Zeit ist bekannt, dass Kinder bereits die kleinsten Spannungsveränderungen wahrnehmen. Große Veränderungen wie beispielsweise die Trennung der Eltern sind daher kaum zu bewältigen. Während manche Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten reagieren, neigt ein an Neurodermitis erkranktes Kind zu ausgeprägten Symptomen. So meinen Eltern häufig fälschlicherweise, dass ein Neurodermitis-Schub ohne auslösenden Faktoren auftritt, weil das Kind auf für Eltern kaum wahrnehmbare Veränderungen reagiert. Es ist ebenso erwiesen, dass die Symptome in absoluten Stresssituation kaum zu behandeln sind.

Eine relativ neue medizinisch-psychologische Fachrichtung beschäftigt sich mit der Psychoimmunologie. Diese untersucht die Auswirkungen psychischer Situationen auf das Immunsystem. Hier wurde festgestellt, dass bei Neurodermitis-Erkrankten bestimmte Zellen des Immunsystems empfindlicher sind als bei gesunden Kindern. Die Reaktion auf kleinste seelische Veränderungen fällt entsprechend heftiger aus.

Aufgrund dieser Besonderheiten ist es in Familien mit Neurodermitis-Betroffenen äußerst wichtig offen mit Veränderungen, Konflikten und Gefühlen umzugehen. Je offener der Umgang ist, desto weniger seelische Belastungen entstehen, mit denen das Kind alleine fertig werden muss.
Eine Heilung ist durch eine Psychotherapie nicht möglich. Neurodermitis kann im eigentlichen Sinne nicht geheilt werden. Eine Psychotherapie kann nur unterstützend einwirken indem beispielsweise eine bessere Stresskontrolle angestrebt wird.