Was ist Neurodermitis?

NeurodermitisNeurodermitis ist auch als atopisches Ekzem, atopische Dermatitis, endogenes Ekzem, Beugeekzem oder auch als Eczema infantum bekannt. Aufgrund der zahlreichen Bezeichnungen lässt sich bereits daraus schließen, dass die Ursache für Neurodermitis bis heute weitestgehend unklar ist.
Neurodermitis ist eine der atopischen Krankheiten zu denen ebenfalls u.a. Heuschnupfen und allergisches Asthma bronchiale zählen. Als Atopie werden genetisch bedingte Überempfindlichkeiten bezeichnet. Die Darstellung der Atopie kann allerdings unterschiedlich ausfallen. In jedem Fall sind aber entweder die Haut oder die Atemwege oder sogar beides betroffen. Daher besteht für Neurodermitis-Betroffene ein deutlich höheres Risiko zu einem späteren Zeitpunkt auch allergisches Asthma oder Heuschnupfen zu entwickeln.

Typische Anzeichen für eine Neurodermitis ist gerötete und schuppende Hautveränderungen, die auch nässen können. Der Krankheitsverlauf verläuft in Schüben beschwerdefreie Phasen wechseln sich mit teilweise dramatischen Hautveränderungen und quälendem Juckreiz ab. Körperstellen, welche besonders häufig betroffen sind, sind u.a. Kniekehlen, Ellenbeugen, Nacken, Gesicht und Hals.
Sehr trockene Haut und sprödes Haar sind ebenfalls typische Begleiterscheinungen einer Neurodermitis.

Die Neurodermitis lässt sich prinzipiell in drei Krankheitsstadien unterteilen. Beschwerdefreie Phasen werden hierbei nicht berücksichtigt. Das erste Stadium beschreibt die Bildung neuer Ekzeme. Diese bleiben für gewöhnlich ein paar Tage bis zu vier Wochen. Eventuelle alte Hautschäden werden durch die neuen Ekzeme überlagert und verschlechtern sich noch weiter. Entzündliche Veränderungen wie Rötung, Nässen und Krustenbildung sind die Folge.

Sabakutes Stadium

Das subakute Stadium beschreibt Entzündungen, die über Monate überdauern können. Dabei kann es zu Rötungen, kleinen Knötchen und zu schuppender Haut kommen. Das dritte Stadium, das sog. Chronische, lang anhaltende Stadium, hält Ekzeme bereit, die über Jahre hinweg bestehen können. Hier tritt oftmals die Lichenifikation ein und stärkere Verhornungen und tiefe Hautrisse sind möglich. Auch eine Veränderung der Hautfarbe ist keine Seltenheit. Selbstverständlich können die verschiedenen Stadien gleichzeitig an verschiedenen Hautstellen auftreten.

Wer ist betroffen?

Neurodermitis kann im Grunde jeden treffen und zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen. Allein in Deutschland leiden nahezu 4 Millionen Menschen an Neurodermitis mit unterschiedlichen Schweregraden. Von dieser Anzahl Betroffenen sind die meisten Kinder. Zwischen 8 und 16% der Schulanfänger sind bereits Neurodermitiker. Dabei erkranken die meisten Kinder innerhalb ihrer ersten zwei Lebensjahre. Häufig ist festzustellen, dass im weiteren Verlauf allergische Atemwegserkrankungen hinzukommen. Es ist zu beobachten, dass die Anzahl der Erkrankten in jedem Jahr weiter ansteigt. Experten machen vorrangig Umweltfaktoren dafür verantwortlich.

Ursachen

Die genauen Ursachen für Neurodermitis sind bis heute weitestgehend unbekannt. Häufig liegt ein genetisches Erbgut vor, welches die Wahrscheinlichkeit einer Neurodermitis-Erkrankung auf bis zu 70% erhöht. Zur Erkrankung selber reicht diese erbliche Veranlagung allerdings nicht aus. Hier spielen mehrere Faktoren wie Allergien gegenüber verschiedenen Substanzen wie beispielsweise spezielle Lebensmittel, Tierhaare oder Pollen als auch irritierende Stoffe wie Wolle, Duftstoffe, Umwelteinflüsse usw. eine Rolle.

Krankmachende Mechanismen

Kaum eine andere Krankheit weist wie Neurodermitis eine solche Komplexität auf. Neurodermitis wird durch mehrere Faktoren beeinflusst und verläuft äußerst individuell. Nach heutigen Erkenntnissen liegt einer Erkrankung meistens eine genetische Veranlagung voraus, die eine gestörte Barrierefunktion der Haut zur Folge hat. Die Haut baut aufgrund fehlender Eiweiße die schützende Hornschicht fehlerhaft auf und trocknet daher sehr schnell aus. Diese trockene Haut ist besonders anfällig für äußere Einflüsse.

Auf diese Einflüsse reagiert die Haut äußerst empfindlich mit Entzündungen und Juckreiz.
Bedingt durch den Juckreiz wird der Betroffene zum Kratzen verleitet, welches dann die Entzündungsreaktion noch weiter intensiviert. Des Weiteren wird das Immunsystem verstärkt beansprucht durch Substanzen aus der Umwelt wie etwa Hausstaubmilbenkot, Pollen oder Tierhaare.

Der drangsalierte Körper neigt zu einer Sensibilisierung und bringt bestimmte Zellen des Immunsystems dazu gegen diese Substanzen zu agieren. Das Immunsystem produziert Abwehrproteine sog. Immunglobuline um gegen die vermeintlich harmlosen Substanzen anzugehen.
Die nahezu keimfreie Umgebung in den Industrieländern wird im Allgemeinen für diese Überreaktionen des Immunsystems verantwortlich gemacht. Das Immunsystem hat keine „echte“ Aufgabe mehr und agiert dadurch auch gegen harmlose Substanzen.

Heilung

Neurodermitis kann nicht geheilt werden. Es ist oberstes Ziel der Therapie dem Betroffenen ein nahezu beschwerdefreies Leben zu ermöglichen. Das bedeutet, dass Symptome bekämpft werden und Schübe so lange wie möglich unterbunden werden bzw. zu erreichen, dass sie in wesentlich abgeschwächter Form auftreten. Diese Ziele werden nur mit individuellen Therapien erreicht. Dazu zählen u.a. Vermeidungsstrategien von Allergenen und auslösenden Stoffen und eine ausgiebige Hautpflege. Das gesamte Lebensumfeld muss u.U. der Krankheit angepasst werden.
Oftmals verschwindet Neurodermitis mit der Pubertät. Wer als Säugling oder Kind unter starker Neurodermitis gelitten hat, hat die Chance mit den Jahren vollkommen beschwerdefrei zu werden.